Interkulturelle Mythologie bei Luxor

Memnonkolosse

Memnonkolosse

Memnonkolosse

 

Ich liebe es sehr, wenn Mythologien Kulturen kreuzen und in zweien eine Rolle spielen. Das haben die Griechen und Römer gemeinsam, deren Götter nahezu dieselben sind, sich nur durch ihre Namen unterscheidend; des Einen Zeus, des Anderen Jupiter, Hera hieß Juno, Aphrodite war Venus und manchmal blieben die Namen einfach die gleichen, wie in Apollos Fall.

Das bedeutet gewöhnlicherweise auch, dass Geschichten zwischen den Griechen und den Römern oft geteilt waren. Ihre geimeinsamen Götter führten identische Aktionen durch und viele ihrer Helden waren dieselben.

Ich bin schon immer fasziniert davon gewesen, wenn das passiert, weil es fast etwas davon hat, diese Kulturen konkurrieren und teilen und das zur selben Zeit.

Letztes Jahr habe ich genau hier in Ägypten ein großartiges Beispiel dessen entdeckt: Die Memnonkolosse in Luxor. Während ich Luxor im letzten September besucht habe, sah ich diese riesigen Statuen und war völlig von den Socken. Diese zwei riesigen Statuen standen wie Wächter zum Westufer.

Die Statuen wurden in der Zeit des Pharaos Amenophis III. (ägyptisch Amenhotep III.) errichtet und stehen seit rund 3400 Jahren vor Ort und Stelle! Während die Statuen ursprünglich als eine Art Beschützer für Amenophis Tempel dienen sollten, erhielten sie mit der Zeit eine andere Bedeutung.

Bei einem Erdbeben 27 v. Chr. kollabierte ein Teil des nördlichen Kolosses und bekam tiefe Risse im oberen Teil seines Körpers. Weil die Statue aus einem sehr porösen Stein gemeißelt worden ist, kam es – wenn die richtigen Vorraussetzungen erfüllt waren – durch das Verdunsten und damit verbundene Entwichen von Tau, beziehungsweise nun Luft aus dem Inneren des durch Risse gekennzeichneten Korpus, wobei ein Gesumme entstand, das man fast als Singgeräusch bezeichnen konnte. Daher glaubten die Griechen, es handele sich dabei um Memnon, ein König, der im Trojanischen Krieg gekämpft hatte und ums Leben gekommen war. Die Legende besagt, dass Memnon zu seiner Mutter „singe”, Eos (oder Aurora), der Götting der Morgenröte, die in der Morgendämmerung seinen Tod beweine. Dieser Prozess wurde so berühmt, wenngleich es nicht mit Beständigkeit passierte, dass die Leute in der Hoffnung zu diesem Ort strömten, doch das „Singen“ hören zu können, und schon bald sagte man sich, dass es großes Glück bringe.

 

Nördlicher Koloss nach Rekonstruktion, die das Singen zum Verstummen brachte.

Nördlicher Koloss nach Rekonstruktion, die das Singen zum Verstummen brachte.

Historiker, wie z. B. Strabo, haben den Anspruch darauf erhoben, die Klänge höchstpersönlich vernommen zu haben, während andere, wie etwa Plinius, Pausanias oder Juvenal darüber geschrieben haben, ohne es tatsächlich zu hören. Viele römische Kaiser besuchten die Statue im Glauben, sie habe rätselhafte Kräfte. Wenn du es mit etwas Modernerem vergleichen möchtest, wäre es im Prinzip wie, als wenn jemand das Gesicht einer religiösen Gestalt bei einem natürlichen Vorgang glaubt gesehen zu haben, so kämen Leute/Gläubige aus aller Herren Ländern dorthin geströmt. Für die Menschen war es eine RIESIGE Sache und überall in der zivilisierten Welt wohl bekannt.

Jahre später, rund 199 n. Chr., dachte der römische Kaiser Septimus Severus, er könne dem Orakel dadurch gefällig werden, indem er die Statue wieder in Ordnung bringe, und so dass er nebenbei auch das Singen hören könne (er besuchte sie nämlich sehr oft, konnte aber das Sagen umwobene Ereignis nie persönlich belauschen). Also gab er das Auffüllen der oberen Sandsteinschichten in Auftrag. Realisiert hatte der Kaiser nicht, dass er, indem er dieses zusätzliche Gewicht der Statue hinzufügt, diese für immer zum Schweigen bringen würde.

Der Koloss ist ein großartiges Beispiel für interkulturelle Mythologie. Ägypter bauten etwas und Römer und Griechen übernahmen deren Geschichten, um ihre Version der Geschichte vervollständigen zu können. Es ist der absolute Wahnsinnig, wie das Monument eines Pharaos genommen wurde und sich zur Geschichte eines Kriegshelden in Interaktion mit seiner betrübten Mutter wandelte. Wenn man diese Monumente heute besucht und sieht, wie schier unglaublich sie sind, kann man sich vorstellen, dass sie während dieser Epochen als solche Wunder verehrt wurden!

About Mona Ibrahim

My name is Mona and I’m a writer/blogger at Tour Egypt. Egyptian by ethnicity, I was born and raised on the east coast of the United States, living in New Jersey and Massachusetts my entire life. Three years ago, I decided to move to Egypt, on my own, and experience what it is like to live in such an incredible country. I have a degree in Hospitality Administration, I love “The Office” and Welch’s Grape Juice, and I really enjoy baking. These are my experiences and tips for Egypt.