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Paris am Nil


PARIS AM NIL

von Jim Fox

 

Night View of Cairo

 

 


Vom ersten Augenblick an in der ich meinen Fuß auf ihren Grund setze, liebte ich Kairo. Das ist lange her und meine allererste Nacht in der Stadt, verkrochen in einem arabischen Hotel der business Klasse, schrieb ich ein paar Verse über den Raum, der mir zugeteilt worden war. Mir wurde gesagt, dass ich ein Zimmer im hinteren Teil des Hotels haben könne, der ruhiger sei, oder einen geräuschvolleren vorne, den Nil überblickend. Ich hatte den Nilblick gewählt und was ich damals in Zeilen festhielt, spiegelt noch immer meine Gefühle über diese grandiose Stadt wieder:

 

 

 

The Continental-Savoy is no longer

 

 

Hotel Kairo

 

Sie sorgten sich um den Lärm,
von Hupen und Stimmen aus Lachen,
Beten und Grüßen,
Handel oder Taxirufen,
Kindergeschrei und mütterlichem Gezeter.


Ich wendete mich zum Nil,
wo Bote fuhren,
und das Leben florierte,
Träume, Anstrengungen, Kämpfe,
und manchmal Krieg,
eine Mädchenliebe, die Geburt einer Nation.


Ich sprach mit allen,

 

Und sie lächelten und sprachen mit mir,
in Deutsch, Arabisch, Russisch, Französisch
aber wir verstanden,
Menschen, nur Menschen.

 

Sie sorgten sich um den Lärm

wegen meines Schlafes,

und meiner Ruhe,

aber ich wurde in den Schlaf gewogen,

von all diesen Klängen des Lebens.

 

 

The Khedive Building in Downtwon Cairo from Imad al-Din Street

 

 

 

Die Faszination für diese Stadt ist vielschichtig. Die Stadt wurde einmal im tiefen Glauben für den Islam gebaut und wuchs immer mehr in diese Rolle hinein. Sie wurde eine Stadt, von der aus Sklaven ein Imperium beherrschten, manchmal Schauplatz von Kämpfen, wo erst die Franzosen und später die Briten versuchten, ihre kolonialen Erstrebungen zu verwirklichen und für farbenfrohe Offiziere der American Confederate Armee war sie ein Rückzugsort. Sie war Geburtsort des modernen Tourismus, wo Namen wie Thomas Cook entstanden genau wie Hotels der europäisch viktorianischen Elite. Es wurde zum Paris des Nils und ist noch heute ein zentraler Punkt als eine der größten Städte der Welt.

 

 

Nicht so lange ist es her, dass sowohl Europäer wie Amerikaner in die glamoröse Stadt kamen, um ihren düsteren nördlichen Heimatstädten zu entfliehen. Ein neu erschienenes Buch von Cynthia Myntti portraitiert, wie Ägypten im Stil von Paris aufgebaut wurde und später seinen eigenen Charm entwickelt hat. Das Buch mit dem Namen Paris am Nil ist beinahe ein konventioneller Reiseführer in die alte Stadt, wo sich einmal Straßenbahnen durch dreispurige Boulevards schlängelten und die prachtvollen Herrenhäuser mit Hotels, Einkaufspassagen, leuchtenden Theatern und netten Parks verbanden. Sie erzählt uns von einer Zeit, in der die ägyptische Seide und das Geld, das durch sie eingebracht wurde, Händler, Spekulanten, Künstler, Entdecker und sogar besitzlose italienische Bauern in die Stadt brachten, in der der kleine Imbissverkäufer Grieche, der Mechaniker Italiener, der Konditor Australier, der Apotheker Brite, der Hotelie Schweizer und der Besitzer des Kaufhauses Jude war.

 

 

 

Sakakini Palace in al-Daher

 

 

 

Das ist nicht das Kairo von heute, aber die berauschenden Feste, die soziale Magie und viele der Gebäude und Häuser sind bis in die heutige Zeit geblieben. Das ist, was uns Cyntha in ihrem neuen Buch anbietet. Sie zeigt uns Photographien, die in diesem buch nicht systematisch geordnet sind, sondern stattdessen eine Arbeit aus Liebe zum Scharm, zur Liebenswürdigkeit, zur Großartigkeit und sogar zur Kuriosität dieser Stadt wiederspiegelt. Sie zeigten einiges, natürlich keineswegs alles, an Architektur Kairos zwischen 1870 und 1930 mit einer Mischung aus Barock, Art Deco und Expressionismus und beinhalten wohlbekannte Landmarken der Innenstadt Kairo und weniger bekannte Ansichten von Garden City und Zamalek.

 

 

 

The Khedive Ismail

 

 

 

Hintergrund

 

 

Dies hier ist vielleicht mehr eine Geschichte der Stadt, die Khedive Ismail baute, mit Hilfe seines hauptsächlichen Konstrukteurs und Minister für Öffentlichkeitsarbeit, Ali Mubarak, mit europäischem Geld, das die allgemeine Freiheit Ägyptens bedrohte und es den Imperatorien großer westlicher Banken unterwarf. Sie wurde in einer Zeit gebaut, in der europäische Mächte rücksichtslos um Ägypten wetteiferten und es seinem eigenen Volk nahmen. Trotzdem alldem hat sich dabei eine tolle Stadt entwickelt.

 

 

Ismail herrschte über Ägypten von 1863 bis 1979. Seine Nachfolger waren es, die Großbrittannien baten, ein modernes Zugsystem zu installieren und Kairo mit der Hafenstadt Alexandriaam Mittelmeer und Suez am Roten Meer zu verknüpfen. Robert Stephenson baute die britische Bahn zwischen Alexandria und Kairo 1852 und musste dabei bitter gegen eine französische Opposition kämpfen. Die Bahnline erlaubt heute tausenden von Europäern die alte Stadt bequem zu bereisen. Diese Zugstrecke stellte vielleicht einen Pfad in Kairos Zukunft dar, aber Ferdinand de Lesseps und die Franzosen waren es, die den Wettbewerb um die Bauerlaubnis des Suez Kanals gewannen – ein historisches Ereignis, dass Kairo für immer ändern sollte – wenn auch nur symbolisch.

 

 

 

In Zamalek, the Greater Cairo Library on Muhammad Mazhar Street

Zamalek, Muhammad Mazhar Street, the gate of the Greater Cairo Library


Links: Zamalek, die Kairo Bibliothek von Muhammad Mazhar

Rechts: Zamalek, Muhammad Mazhar Straße, das Tor zur Kairo Bibliothek

 

Als Ismail den Thron bestieg, der als Teil des Osmanischen Reichs galt, erbte er damit auch eine starke, jedoch trügerische Wirtschaft. Die Brieten benötigten eine angemessene Lieferung an Baumwolle für ihre Fabriken in Manchester und Leeds. Die Amerikaner waren in sich selbst zerstritten über das Thema der Sklaverei und konnten diesen Bedarf nicht decken. So wagten die Briten ängstlichen Blicke in Richtung Ägypten nach diesem Rohmaterial. Durch die steigende Nachfrage an ägyptischer Baumwolle stieg auch ihr Preis und ihr Exportwert stieg von 16 Mio. Dollar 1862 auf 56 Mio. im Jahr 1864.

 

Along Imad al-Din street at Suliman al-Halabi in Downtown Cario

 

 

 

Nun fingen die Vorräte europäischer Warenhäuser an das beste und gleichzeitig das schlechteste mit Kairo anzustellen. Ismail war in Frankreich aufgezogen worden und extensiv in Europa herumgereiste. Vielleicht war es sein Besuch in Paris 1867, als besonderer Gast des Eroberers Napolen III, der die Zukunft Kairos am meisten beeinflusste. Es war zur Zeit der Pariser Weltausstellung und Ägypten selbst fuhr mit einem spektakulären nationalen Ausstellungsstück auf. Es bestand aus einem pharanoischen Tempel, einem orientalischen Bazar und einem Beduinenzelt und zeigte den Europäeren das, was sie von Ägypten sehen wollten. Die Stadt Paris selbst aber bekam die Aufmerksamkeit der Messebesucher, denn sie war erst kürzlich neu geplant worden – mit breiten Boulevards, offiziellen Gärten, großen Warenäusern und überdachten Einkaufszentren. Baron Haussmann, der dieses neue Paris selbst entworfen hatte, ware es, der den Khadiven empfing und ihn und seine Gefolgsleute unterhielt.

 

 

 

In Zamalek, 5 al-Kamil Muhammad Street, Resident of the Canadian Ambassador

 

 

 

Ismail war erpicht darauf, Teil des zivilisierten Europa zu sein und als er nach Kairo zurückkehrte, setzte er alles daran, seinen Traum mit dem kurzlebigen Geld seiner Baumwollgewinne zu verwirklichen. Er wollte Paris am Nil bauen, aber anstatt alte Stadtteile niederzureißen, wie es Haussmann in Paris tat, entschied Ismail eine grundauf neue Stadt zu bauen – einfach im Westen der alten.

 

 

Die helfende Hand Europas

 

 

Als Khedive Ismail und Ali Mubarak ihre Pläne für das moderne Kairo entwarfen, so kam kein Zweifel auf, dass man aufs Ausland angewiesen war, um die Ideen zu realisieren – zumindest am Anfang. Trotzdem gründete Ismail die Schule für Kanalisierung und Architektur in Abbasiya, die die heutige Ingenieurs-Fakultät der Kairo Universität ist. Er baute auch die Schule für Kunst und Gewerbe in Bulaq wieder auf, die heute die Ingenieurs-Fakultät der Ain Shams Universität ist. Es würde jedoch eine beachtliche Zeit kosten, bis die Ägypter für die sofort anstehende Aufgabe ausgebildet sein würden.

 

 

 

The Egyptian Antiquities Museum

 

 

 

So spielten Europäer also eine zentrale Rolle im Bau des neuen Kairo und an erster Stelle besonders die Italiener. Kairo wurde eine boomende Stadt und sowohl Professionelle wie allgemeine Handwerker kamen über das Mittelmeer um Teil von Ismails Plan zu werden. Italienische Architekten und Techniker wurden vom ägyptischen Ministerium für öffentliche Arbeit eingestellt und auch privat beschäftigt. Sie leisteten einen bemerkenswerten Beitrag zu Ismails Palästen, öffentlichen Gebäuden und Privatresidenzen, die in den neuen Stadtbezirken entstehen sollten. Namen wie Francesco Battigelli, Carlo Prampolini, Pietro Avoscani, Carlo Virgilio Silvagni, Luigi Gavasi, Augusto Cesari and Giuseppe Garozzo wurden in die Mauern der neuen Bauwerke Kairos eingraviert. Nicht zu übersehen war darunter auch der Sizilianer Giuseppe Garozzo und spatter sein Sohn, die bei vielen von Kairos Hauptgebäuden involviert waren, wie dem ägyptische Antiken Museum, dem Abdeen (Abdin) Palast, dem berühmten Shepheard's Hotel und der Feuerwehrstation am Ataba Platz.

 

 

Abdeen Palace

 

 

Viele dieser Gebäude, die die Italiener während dieser Jahre bauten, hatten Renaissance Bauten in Italien zum Vorbild, mit Fundamenten aus schweren Steinfassaden oder den Equivalent aus Gips und einem Obergeschoss mit toskanischen oder ionischen Säulen und Fenster mit Dreiecksgibeln.

Manche, wie Ernesto Vercucci Bey und Mario Rossi bedienten sich des italienisch-gothischen Stils für die Gebäude der Villa Tawfik in Zamalek, die die heutige Helwan Universität ist.

Es sollte aber erwähnt werden, dass die Italiener auch verantwortlich waren für die Renovierung vieler islamischer Monumente in Kairo, und während sie das taten, beeinflussten diese islamischen Motive auch einige ihrer späteren Projekte. Antonio Lasciac, der aus Triest kam, war verantwortlich für viele der schönsten Bauwerke in Kairos Innenstadt. So beispielsweise die Plätze und Gebäude des Khadiven, die während den Anfängen seiner Karierre in Ägypten in Auftrag gegeben worden waren. Sie folgen klassischen barocken Linien, aber seine späteren Arbeiten, wie das Triest-Versicherungsgebäude und die Bank Misr zeigen klar islamische oder neo-maurische Züge auf. Lasciac folgten viele in seinem Stil, als er populär wurde und manche Designer fingen an Arabesquen auch in ihrer Innenausstattung zu verwenden.

 

 

Downtown at Abd al-Khaliq Sarwat Street

 

 

Unübersehbar wurde auch eifrig vom französischen Barockstil Gebrauch gemacht, besonders in der Innenstadt, dem späteren Garden City und al-Daher. Diese Gebäude hatten oft verspielte Balkone mit aufwändiger Eisenverzierung und vertzierten Trägern, mamorne Stufen und Eingänge, modellierte Fenster- und Türrähmen mit unaufdringlich besonderem französischen Flair. Noch spatter im frühen 20. Jahrhundert haben französische Architekten wie Georges Parcq große Bauwerke in Kairo entworfen, wie die Mubarak Bibliothek und die französische Botschaft. Den französische Einfluss konnte man auch in den Arbeiten von Alexan Marcel, Leo Nafiliyan, Raoul Brandon, Antoine Backh, Edward Matasek einem Österreicher, und dem armenisch-osmanischen Garo Balian erkennen.

 

 

 

31 Beirut Street in Heliopols, designed by Antoine Backh

 

In Zamalek, Shagarat al-Durr Street, the Villa Tawfiq, now Helwan University Faculty of Music

 

Links: Zamalek, Shagarat al-Durr Straße, die Villa Tawfiq, jetzt Helwan Universität, Musik-Fakultät
Rechts: 31 Beirut Straße in Heliopols, designed von Antoine Backh

 

 

 

Kairo im Bau

 

Ezbekiya wurde von Ismail in eines seiner Zentren des neuen Designs verwandelt. Zwei neue Boulevards wurden in der alten Stadt eröffnet, die quer durch das Viertel um die Zitadelle verliefen. Die neue Stadt im Westen sollte aber sauber von der alten Stadt getrennt sein. Alle seine Pläne sollten nach Ismails Plan in seiner persönlichen Weltausstellung zusammenlaufen, die die Eröffnung des Suez Kanals zelebrieren sollte. Deshalb hatte er nur zwei Jahre zeit, in welchen das neue Kairo entstehen sollte.

 

 

 

A window from Muhammad Farid and Bank Msr Street in Downtown Cario

 

 

Das neue Viertel im Westen war nach einem französischen Plan entworfen, mit geraden Straßen und Kreisverkehren, die das begründen, was das heutige moderne Kairo ist, trotz der europäischen Aufsicht, die die alte ottomanische und mittelalterliche Stadt liebte und sich beschwerte, dass die Stadt „haussmannisiert“ werden sollte – was sie defacto wurde. Land wurde für Villen und Apartments unterteilt und der Khedive gab einen Teil der neuen Stadt dazu frei, dass jeder, der es innerhalb von 18 Monaten schaffte, ein Haus oder Gebäude dort zu bauen – wenn es mindestens 3 000 Franc wert sei. So unterzeichnete schließlich sogar die europäische alte Garde und kam Ismail sofort entgegen, indem sie zunächst Residenzen der neuen Straßen entlang baute und später Handelshäuser. Barillet-Deschamps, der den Bois de Boulogne und die Champs de Mars in Paris entwarf, kreierte zusammen mit dem französischen Gartenbauspezialisten Delchevalerie einen typisch französischen Lustgarten in Azbakiya. Als dieser fertig war, beherbergte der Garten eine große Kollektion von exotischen Pflanzen und Bäumen, einen kleinen See mit Tretbooten und Brücken, Teestuben nach europäischem und orientalischem Vorbild, ein Fotostudio, einen chinesischen Pavillion, eine Fecht-Schule, Theater und kleine Geschäfte.

 

 

An Iron gate in Munira on Dar al-Ulum Street

 

 

An Iron gate at 24 Saray al-Gazira in Zamalek

 

 

Oben links: Eine Eisentür in Mounira in der Dar al-Ulum Straße

Oben rechts: Eine Eisentür in 24 Saray al-Gazira in Zamalek

Unten links: 7 Salah al-Din Street in Heliopolis

Unten rechts: Fuad Sirag al-Din Palast an der Ecke von Nabata und Ahmad Pasha Straßen in Garden City

 

 

7 Salah al-Din Street in Heliopolis

 

 

Fuad Sirag al-Din Palace on the corner of Nabata and Ahmad Pasha Streets in Garden City

 

 

 

Ismails persönlicher Beitrag zu dem europäischen Look war das annähernd komplett hölzerne Opernhaus nach dem Vorbild der La Scala in Milano, das sich in Ezbekiya befindet. Es wurde vom Italiener Pietro Avoscani gebaut. Deneben entsand noch das Theatre National de Comedie. Das Opernahaus brauchte nur fünf Monate, bis es im Jahr 1868 fertiggestellt war. Unter Zwangsarbeit wurde das veranlasst, um rechtzeitig zur Verdie Oper zu eröffnen, mithilfe eines Ägyptologen (Jean-Francois Champollion) kreiert worden war und schließlich Aida getauft wurde – aber schließlich waren die Kostüme für die Aufführung zur Eröffnung des Suezkanals noch nicht fertig und Riogoletto wurde stattdessen aufgeführt.

Doch dieses alte Opernhaus ist passé, sein libanesisches Holz in Flammen aufgegangen. Kurz vor seinem Ende war es kaum noch in Gebrauch gewesen. Denn es hatte wenige Kulissen und wenig Platz für An- und Umkleide. Das Orchester musste den Hauptkorridor hinunterlaufen, um den Orchestergraben zu erreichen. Nun war es in der Tat sehr luxoriös, mit seinen Frauenkabinen im vorderen Bereich, die mit seidenen Stoffen bezogen waren und die Logen mit Gold bezogen und ausgeschmückt mit purpur-goldenen Brokat Behängen.

 

 

 

The Great Entrance Hall of Abdeen Palace

 

 

 

Kairo wurde bald als charmante Stadt bekannt, mit Besonderheiten, mit denen sie sogar einige Städte in Amerika und Europa ausstach. Ali Mubaraks Masterplan für den neuen, westlichen Teil der Stadt hatte weite Straßen und Plätze geschaffen, die mit denen von Haussmann in Paris zu vergleichen waren. Clot Die Bey Straße, die nach Dr Antoine Clot, Napoleons Physiotherapeuth war und Gründer der ersten medizinischen Schule in Ägypten, verband den Bahnhof im neuen Kairo am Bab al-Haidid mit dem Haupthandelsplatz, al-Ataba al-Ahadra. Dort waren schließlich auch Kairos Poststation, Feuerwehr, einige elegante Hotels, commerzielle Einkaufspassagen und der zentrale und wichtigste Nahrungsmittelmarkt der Stadt gelegen. Ataba grenzte rückwärts an die Ezbekiya Gärten, das Opernhaus und war durch eine herrschaftliche Allee mit dem Hauptpalast des Khediven, dem Abdeen Palast, verbunden.

 

 

 

15 Kamil Sidqi Street in Al-Daher

 

12 Rushdi Street, Helopolis

 

Links: 15 Kamil Sidqi Straße in Al-Daher

Rechts: 12 Rushdi Straße, Helopolis

 

 

 

Ismail hatte auch einen seiner persönlichen Paläste, der später der Continental-Savoy wurde, zu einer Residenz für ausgewählte Gäste gemacht und für die Gäste der „Weltausstellung“ ordentlich aufpoliert. Er nannte den Palast damals New Hotel. Zunächst war es ein Rivale, später dann ein Verbündeter des Shepeard’s Hotels, das damals bis heute Herz und Seele für die britische Gesellschaft ist, die nach Kairo kommt. Eine neue Allee führte zu den Giza Pyramiden wo ein Jagdschloss gebaut wurde, die später das heutige Oberoi Mena House Hotel.

 

 

 

The Mena House Hotel around the turn of the 20th century

 

 

 

Ismail hatte auch noch einen anderen Palast gebaut um seine zahlreichen königlichen Gäste unterzubringen, die besonders zur Eröffnung des Kanals nach Kairo anreisten. Dieser war auf der Insel Gezira gelegen (in der Gegend, die das heutige Stadtviertel Zamalek ist) und sollte besonders die französische Kaiserin Eugenie, den Kronprinzen von Preussen, Henry von den Niederlanden, Prinz Louis von Hessen und all ihr großes Gefolge für die Eröffnungs Zeremonien um den Suezkanal unterbringen. Dieser Palast wurde von einem europäischen Unternehmen übernommen und die Flächen sofot für spekulative Gebäude missbraucht. Ein reicher Pasha kaufte den Palast selbst, der offiziell erst nach der Revolution 1952 zu einem Hotel gemacht wurde. Er wurde in dieser Zeit zum Omar Khayyam Hotel umbenannt, ist heute aber das Kairo Marriott.

 

 

 

Inside the Marriott Cairo

 

 

Damals war die mit Maulbeerenbäumen und Akazien gesäumte Straße nach Shubra die wichtigste Straße Kairos, den die Elite hatte es dem Khediven gleich getan und gehobene Anwesen entlang dieser Straße gebaut. Hier wurden Wohlhaben und Pracht im großen Stil zur Schau getragen. Griechische und deutsche Brasserien und französische Cafés sproßen wie Frühlingsblumen plötzlich entlang dieser neuen Staße hervor und viele von ihnen lockten mit Orchestern und Bands. Auf einem freien Stück Land, das die Ezbekiya Gärten überblickte, baute der Graf von Sutherland den Khedive Club, von dem gesagt wurde, er sei eine Nachahmung der feinsten Clubs des Londons jener Tage. Er stand unter königlicher Schirmherrschaft und sein Vorsitzender war der britische Konsul, der damals der höchste britische offizielle in Ägypten war.

 

Eine weitere wichtige Entwicklung war, dass die Briten begannen, ihre Expansion in Afrika in Kairo zu stationieren – meist auf Ägyptens Rechnung. 1869 verbrachte Samuel Baker vier Monate in Kairo, um sich auf einen Feldzug zum weißen Nil vorzubereiten, wo er augenscheinlich den Skavenhandel beenden sollte. Er verließ Kairo mit schwarzen Truppen englischer Handelsware und britischen Schiffen, was hauptsächlich von den Ägyptern finanziert worden war. Wie J. C. MacCoan betont, wurde ein bemerkenswert großes Gebiet erobert, aber den Sklavenhandel schien dies nicht beeinträchtigt zu haben.

 

 

A doorway at Bishara al-Kafun Street in al-Daher

 

1869 war der Kanal zur Eröffnung bereit und dies war ein überraschendes Jahr für Kairo. Für die Wohlhabenden war es ein Jahr voller Feste, Bälle, Banquets, Theater- und Opernbesuchen und Pferderennen. Sogar die Normalbürger konnten ein wenig an den vollen Staßen mit bunten Lichtern, den Ständen, Staßenvorführungen und traditionellen muslimischen „Mulid“ Festen teilhaben und diese genießen. Nach einer Kurzreise nach Europa war Ismail für die formelle Eröffnung der Festlichkeiten für den Suez Kanal bereit. Sie wurden von den Reichen und Berühmten Europas und den Militärs von überall her besucht, die es geschafft hatten, Einladungen zu organisieren. Zusammen mit den Reportern wurden sie alle in Kairo untergebracht und verköstigt und später im November nach Port Said umgesiedelt. Obwohl der Kanal von einer französischen Baufirma gestemmt wurde, war das erste passierende Schiff britisch und die Feste rund um dieses Event waren so spektakulär, dass sie Bücher füllen könnten. Es war nicht leicht für Kairo, danach wieder zur Normalität zurückzukehren.

 

Downtown Cairo, Corner of Abd al-Aziz and Rushdi Pasha Streets

 

Downtown at 14 Adli Street

 

Innenstadt Kairo, Ecke Abd al-Aziz und Rushdi Pasha Straße

Rechts: Innenstadt, 14 Adli Straße

 

Downtown on the Italia-Adriatica Insurance Company building, Sharif Street at Muhammad Mazlum Pasha

 

 

 

Die Europäer hörten tatsächlich gar nicht mehr auf ind die Stadt zu strömen und Ismail setzte seinen Versuch, die Stadt in ein zweites Paris zu verwandeln, weiter um. 1870 wurden das erste Mal Gasleitungen verlegt und diese 1898 schließlich durch Elektrizität ersetzt. Fließend Wasser war für etwas später anberaumt worden und Ismail fuhr fort mit dem Bau von gepflasterten Kutsch-Straßen in der ganzen Stadt und einer neuen Eisenbrücke (Baujahr 1872 von einer französischen Firma) über den Nil, von der Kasr el-Einy Straße aus hinüber zur Insel Gezira. Diese Brücke hätte sich für Wasserverkehr öffnen können, da der Fluss auf der anderen Inselseite jedoch absichtlich blockiert wurde entwickelte sich die Insel zu einem Teil von Giza. Gezira und besonders die Wohngegend in Zamalek entwickelten sich zu einer der reichsten Stadtviertel Kairos.

 

 

Der Beginn vom Anfang

 

 

Windows in Garden City at Midan Gamal al-Din Abu al-Mahasin

 

 

Leider war der Baumwollschlager der 1860er Jahre sehr kurzlebig und Ismail hatte großzügig über seine Verhältnisse gelebt, so dass es oft schien, als ob das Geld, das er für seine geliebte Stadt ausgab von einem Goldesel gespuckt würde. Tatsächlich wurde dafür aber die ägyptische Bevölkerung ausgeblutet, die für alles und jeden hohe Steuern zu löhnen hatte. Letztlich landete all ihr Vermögen in den Taschen europäischer Banken. Es schien, dass Ismail von Finanzen keine Ahnung hatte und die europäischen Bänker gaben ihm hohe Darlehen – mit harten Laufzeiten. So leihten die Rothchilds Ismail auf Staatswegen zum Beispiel 8,5 Millionen Pfund Sterling gegen 435 000 Morgen der reichsten Agrarfläche der Welt, aber der Betrag, den er nach verschiedenen Abzügen schließlich in den Händen hielt, waren gerade einmal 4,36 Pfund. Während der ganzen elf Jahre, in denen Ismail sich bemühte Kairo in das Paris des Nils zu verwandeln, wurden im 68 Millionen Pfund Sterling geliehen, viele von europäischen Bänkern, von denen ihn letztlich nur 48 Millionen erreichten und er gezwungen war seinen Anteil am Suez Kanal an die Briten für vier Millionen zu verkaufen. In einer sehr kurzen Zeit hatten die jährlichen Zolleinnahmen, die man aus dem Kanal schöpfte, dieses Geld schon wieder eingebracht.

 

Schließlich musste auch Ismail eingestehen, dass er der finanziellen Zange der europäischen Banken nie wieder entkommen würde; und durch die grobe und unterdrückende Politik seiner Bevölkerung gegenüber, konnte er nicht auf Unterstützung aus seinem eigenen Land bauen. Er versuchte, sich an die Amerikaner zu wenden und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg beschäftigte er eine Reihe an Militäroffizieren, hauptsächlich Verbündete, um sich selbst von den britischen Besatzern abzugrenzen.Obwohl sie wohl die schillerndsten Charaktere in dieser Periode ägyptischer Geschichte waren, taten sie sie wenig dazu die bevorstehende Zwangsvollstreckung Ägyptens aufzuhalten. 1876 saßen selbsternannte Europäer in dieser Finanzenkrise Ismails zu Gericht und berichteten ihm von 91 Millionen Pfund Sterling, die er ihnen schuldig war. 1879 wurde diese Summe auf 100 Millionen aufgestockt.

 

 

Downtown Cario at 41 Sharif Street

 

 

 

Ismail hatte wahrscheinlich wenig von all diesem Geld je selbst gesehen und ein Großteil davon war tatsächlich benutz worden um verschiedene europäische Projekte in Ägypten zu finanzieren. 1879 taten Frankreich und Großbrittannien, worauf sie schon lange gewartet hatten: Sie übernahmen Ägyptens sämtliche Finanzen durch zwei kontrollierende Generäle, einen Franzosen und einen Briten. Im Anschluss, am 19. Juni 1879, wurde ein nächster außerordentlicher Schritt unternommen als britische und französische Generäle den Khadiven zum Abdin Palast bestellten und ihn anwiesen, abzudanken. Er hatte kaum eine andere Wahl, da er noch nicht einmal zu Volksunterstützung aufrufen konnte. Die Menschen waren auf Grund seiner hoch angesetzten Steuern so sehr von Elend und Verarmung betroffen, dass sie ihn hassten und über seinen Rücktritt froh waren. Ismail verließ das Land und ging nach Europa, wo er 1895 verstarb und seinen Sohn Tawfik zurückließ, der erbte, was von Ägypten übrig geblieben war. Ägypten wurde von den europäischen Mächten jender Tage übernommen und 1882 besetzte Großbrittannien gesamt Ägypten ohne einen einzigen Schuss und regierte es als Kolonie. Trotz der faktischen Herrschaft der Europäer wurde das Land rein formal noch als Teil des osmanischen Reiches gehandelt, das seine eigenen Thronerben hatte, die von Muhammad Ali stammten.

 

 

Kamal al-Din Husayn Street, off Midan Qasr al-Dubara in Garden City

 

 

 

Natürlich hat das Bautätigkeiten im Land nicht gestoppt und es kamen nun mit Sicherhiet noch mehr Europäer ins Land, die die Stadt als ihre eigene ansahen. Der Baumwollmarkt lebte wieder auf und Kairo wuchs mehr als Khedive Ismail und sein Minister Ali Mubarak es ursprünglich geplant hatten. Zwischen dem Ataba Platz und dem Nil erwuchs eine europäishe Stadt, während sich die ägyptische Mittelklasse eher nach Norden in Städte wie Faggala und Abbasiya.zurückzogen. Im europäischen Distrikt führte eine steigende Nachfrage nach Gewerbeflächen und Wohnraum zu einer Verdichtung von Bauwerken und Villas und Gärten mussten bald mehrstöckigen Häusern im Pariser Stil weichen. Man konnte in den Straßen französische und englische Buchhandlungen erspähen, Teestuben, Straßencafés, modische Handelshäuser und Kunstgallerien, die nicht kleiner waren als Printemps, die Galerie Lafayette der Au Bon Marche in Paris. Man konnte sich die Nachmittage sogar auf einer Rollschuhbahn vergnügen.

 

Mit dem Hinzukommen von modernen öffentlichen Transportmitteln in der Mitte des 20. Jahrhunderts fingen auch Vorstädte an, zu florieren und es entwickelten sich Garden City entlang des Nils, Heleopolis im Norden, das von Baron Empain geplant und von Ernest Jaspar, beide Belgier, designt wurde und Maadi in der Nähe der heißen Wasserquellen von Helwan im Süden, wo noch immer viele Ausländer leben.

 

 

Muhammad Shawarbi Pasha Building Ramsis at 26th of July built in 1925

 

 

 

Viele Jahre vergingen und die Bedingungen für die Einheimischen wurden teils sogar härter, bevor sie langsam ihr Land zurückgewannen. Im Jahr 1952 schließlich konnten sie es wieder ihr eigen nennen, bis dahin jedoch warein teile von Kairo so europäisiert worden, dass man den Orient nicht meher erkannte. In den 1920ern waren Art Deco und expressionistishce Bauwerke entstanden, von ägyptischen und ausländischen Architekten entworfen. Zu ihnen zählen Fahmi Riad, Edouard Luledjian, Nubar Kevorkian, Giuseppe Mazza, und Galligopoulo; Franzosen wie Leon Azema, Max Edrei und Jacque Hardy trugen auch ihren Teil zum Baustil Kairos bei und in den 1930ern entwickelte sich ein eklektischer Trend, der Shpinxes, Skarabäen, Kobras und andere pharaonische Motive mit einbezog. Obwohl diese Zeit ein Fluch für die breite Bevölkerung war, formte sie doch Kairo zu dieser wunderbaren und vielfältigen Stadt wie wir sie heute kennen.

 

 

 

Quellen:

 

Titel

Autor

Erscheinungsjahr

Verlag

ISBN-Nummer

Al Qahira

Sassi, Dino

1992

Al Ahram/Elsevier

None Stated

Cairo(Biography of a City)

Aldridge, James

1969

Little, Brown and Company

ISBN 72-79364

Cairo(Giza-Sakkarah-Memphis

El-Mallakh, Kamal

1996

Bonechi

ISBN 88-7009-231-3

>Paris Along the Nile: Architecture in Cairo from the Belle Epoque

Myntti, Cynthia

2000

American University in Cairo Press

ISBN 977 424 5105

 


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