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Eine Revolution, die eine Nation zu Kameradschaft inspiriert hatVon Mona Ibrahim
Ein Schild, auf dem steht: "Freiheit für alle Zeit."
Ägypten war lange Zeit für zwei Dinge bekannt: Seine großartige Geschichte und seinen Sinn für Humor. Jetzt kann etwas drittes zu dieser Liste hinzuaddiert werden – sein Kameradschaftsgeist. Die Ägypter waren viele Jahre mit ihrer Regierung unglücklich, dabei oft die um sich greifende Korruption spürend, und dass der Lebensstandard für die Mehrheit nicht erträglich war. Es gab viel zu wenige Arbeitsplätze für die wachsende Arbeitnehmerschaft.
Nachdem man geduldig auf die Einhaltung des Versprechens höherer Löhne und mehr Arbeitsplätze wartete, hatte das ägyptische Volk am Ende genug! Es wurde der 25. Januar ausgewählt, ein Tag, welcher immer damit verbracht wurde, die ägyptischen Polizeikräfte zu feiern. An diesem Tag begann das ägyptische Volk gleich mehrerorts friedlich aufzubegehren – vor Alexandrias Al Qaed Ibrahim-Moschee, in der Hafenstadt Suez und auf Kairos Tahrir-Platz, dem Platz der Befreiung, über den durch die ausländische Presse so wunderbar berichtet wurde. Hunderttausende Demonstranten versammelten sich an diesen drei Orten, so wie sich kleinere Gruppen auch an verschiedenen Plätzen landesweit versammelten.
Die Bewegung hatte sich hauptsächlich im Internet, auf Facebook und Twitter, organisiert. Nun könnte man erwartet haben, eine junge Menschenmenge bei den Prostesten zu erleben. Während die Jugend auch tatsächlich eine große Rolle bei dem Geschehenen gespielt und eine relative Mehrheit unter den Protestierenden ausgemacht hat, waren dort genauso viele ältere Menschen. Einige, da bin ich mir sicher, hatten bis zu diesem Tag niemals von Facebook gehört.
Die Proteste setzten sich weitere drei Wochen fort. Dabei kamen nach offiziellen Angaben mehr als 300 Menschen zu Tode und hunderte Andere wurden verletzt. Aber neben all dem Furchtbaren, dem Unfassbaren und all den Spannungen, war auch etwas wahrlich Schönes und Unglaubliches zu beobachten. Das ägyptische Volk trat vereint auf den Plan. Milton hat Recht, indem er im übertragenen Sinne sagt: Auf Regen folgt Sonnenschein. Das soll heißen, der Sonnenschein steht symbolisch für die Attribute, die diese so populäre ägyptische Revolution begleitet und geprägt haben – Teamwork und Kameradschaft.
Während der Proteste konnte man inspirierende Geschichten von den Taten der Ägypter hören, die diese allerorts für einander taten. Jeden Tag waren Twitter und Facebook übersät von Bitten zur ärztlichen Versorgung, nach Wasser und Essen, das zu den Demonstranten gebracht werden solle. Es waren Kontaktnamen angegeben und Nummern, um erreichbar zu sein. Ägypter, die nicht persönlich den Nachschub zu den Plätzen bringen konnten, spendeten Geld für deren Beschaffung. Ärzte und Pharmazeuten errichteten notdürftige Behandlungsräume nahe bekannten Orientierungspunkten im Umkreis und nummerierten diese, sodass die Verletzten oder Kranken dort behandelt werden konnten.
Alles war gut durchdacht und unsere ägyptischen Landsleute waren vorbereitet. Kleine "Kioske" wurden auf dem Platz der Befreiung hochgezogen, bei denen zahlreiche Waren erstanden werden konnten. Elektrizitätsknotenpunkte wurden genauso installiert, an denen Leute ihre Mobiltelefone aufladen konnten, um mit ihren Lieben in Kontakt bleiben zu können, die nicht bei den Protesten dabei waren. Es gab auch eine Art "Vorschule" für Mütter mit kleinen Kindern, die den Protesten beiwohnen wollten. Die Ägypter hatten sich zusammengetan, um es für jeden einfacher zu machen, seine Meinung zum Ausdruck bringen zu können und gehört zu werden!
Damit noch nicht genug! Auf dem Platz wurden einzelne Bereiche für verschiedene Funktionen angelegt. Es gab Badezimmer (auch Duschen wurden zu einem späteren Zeitpunkt der Proteste installiert), Wasserstellen, Straßenhändler, die Essen verkauften, und Zeltplätze. Fernsehbeiträge zeigten zudem Leute, wie sie auf dem Platz während den Protesten Müll aufsammelten, mit dem Ziel, ihren "Wohnraum" sauber zu halten.
Als Präsident Mubarak sein Amt niederlegte, brach unglaublicher Jubel aus. Am Freitag ging ich zum Tahrir-Platz. Wenngleich jeder sagte, es könne schwierig werden den Platz zu betreten und es sei es nicht wert, so spät dorthin zu gehen, ging ich mit zwei anderen Frauen hin und trotzte den Menschenmassen, um mit den Menschen aus Ägypten zu feiern. Für mich als eine in Ägypten lebende US-Amerikanerin war das eine Erfahrung, die ich niemals vergessen werde.
Nächtliche Feiern auf dem Tahrir-Platz, die unverzüglich auf den Rücktritt Präsident Mubaraks folgten. Die Feiern beinhalteten Feuerwerke und Lieder und gingen bis tief in die Nacht.
Als wir uns dem Tahrir näherten, feierten dort so viele Leute auf den Straßen, Autos hupten, Fahnen wehten und die Leute sangen und tanzten. Egal wie weit entfernt man auch geparkt hat, konnte es keine Unklarheit darüber geben, wo dieses Fest zu finden sein wird; man musste einfach nur dem Pulk von Menschen folgen, die zum Tahrir strömten!
Als wir ankamen, wurden wir zügig zum Eingang geschickt (die andere Seite der Straße diente als Ausgang), wo zwei Reihen gebildet wurden, in denen man sich anstellte; eine für Männer und eine für Frauen und Familien. Während wir in diesen Reihen standen, wurden wir von gewöhnlichen Bürgern durchsucht, die sehr höflich waren und allesamt breit lächelten. Als wir den Platz betraten, realisierte ich zum ersten Mal, wie überwältigend die Menschenmasse war. Kein Bild im Fernsehen, wie genau es auch sein mochte, vermochte es, mich auf diesen Anblick, die schier unglaubliche Menge an Feiernden auf dem Tahrir-Platz, vorzubereiten. Auch war ich nicht auf das Wohlwollen von Fremden vorbereitet, das mir dort widerfuhr.
Auf unserem Weg hinein (man beachte, dass wir drei Frauen ohne männliche Begleitung waren), wurden wir von einer Gruppe Männer im Alter von Mitte zwanzig bis Mitte dreißig erspäht. Sie kamen uns entgegen und teilten uns mit, dass sie uns dabei behilflich sein würden, den Tahrir zu betreten und geleiteten uns den Weg zum Bereich für Frauen und Kinder. Fast instinktiv bildeten sie zu unserem Schutz eine oval-förmige Menschenkette um uns herum, indem sie sich bei den Händen fassten und sich zusammen mit uns ihren Weg durch die Menschenmenge bahnten, was das Bewegen angesichts des dichten Gedränges erleichterte. Mit hunderttausenden Menschen auf den Straßen gibt es freilich nur wenig Platz, sich zu bewegen, und so ist Geschiebe und Gedrängel unausweichlich. Diese Leute sorgten für unsere Sicherheit, bis wir den "Frauenbereich" erreichten.
Als wir unser Ziel errreicht hatten, gewährte man uns den Schutz einer anderen menschlichen Barriere – eine Linie von Männern, die zwischen den Frauen und dem Rest der Menschenmenge standen. Zu sagen, dass wir uns in Sicherheit befanden, wäre maßlos untertrieben! Frauen, die bereits dort waren, machten Platz für uns Neuankömmlinge, sodass wir so bequem wie möglich stehen und Zeuginnen der Feierlichkeiten werden konnten. Die Leute sangen und skandierten, Flaggen wehten und Feuerwerke wurden entzündet, um das Eine zu feiern: die Menschen Ägyptens waren zusammen gekommen, vereinten ihre Stimmen, um als eine gehört zu werden und erreichten ein gemeinsames Ziel! Die Atmosphäre war wie elektrisch und es gibt schlichtweg keine Worte, um dieses Gefühl in dieser Nacht zu beschreiben.
Nächtliche Feiern auf dem Talaat Harb-Platz, die unverzüglich auf den Rücktritt Präsident Mubaraks folgten. Hunderttausende feierten ihren Sieg im Kampf für Demokratie.
Nachdem wir gingen und noch den Rest des Festaktes auf unserem Weg nach Hause mitbekamen, begann sich die Nachricht zu verbreiten, dass es auf dem Tahrir-Platz am nächsten Tag eine Aufräumaktion geben würde. Wir alle gingen zu Bett, um uns auf einen harten Tag des Saubermachens vorzubereiten. Der Samstag Morgen brach an und jeder war bereit, ins Stadtzentrum zu strömen und an der Reinemachaktion teilzunehmen. Wir sind recht früh (gegen Mittag) mit unseren Putzzeug angekommen, mussten aber erkennen, dass wir doch tatsächlich zu spät waren! Der größte Teil des Platzes war bereits gesäubert worden und die Leute begannen bereits die Lager – Wochen zuvor errichtet – abzubauen.
So entschieden wir, wir würden einen Blick auf die Nebenstraßen werfen, um zu gucken, welche Arbeit dort vollrichtet werden müsse. Der sich bietende Anblick war geradezu inspirierend! Gruppen von übrwiegend jungen Leuten, die Handschuhe und Atemschutzmasken trugen, machten die Straßen mit Besen, Kehrichtschaufeln und Plastiksäcken sauber! Und sie befreiten die Straßen nicht einfach nur von Müll; sie fegten auch den Staub von den Straßen auf! Ältere Männer mit Schaufeln halfen die losen Steine zusammenzuhäufen. An jeder Straßenecke war jede Menge Müll, in Säcken, bereit, von Müllsammlern aufgelesen zu werden. Kein Job war zu schwer oder zu leicht und nichts war unter unserer Würde! Gruppen von Personen, die sich einander nicht kannten, halfen dennoch einander. Da war eine Straßenecke voll von Müll, aber mit Stacheldraht belegt, den mein Aufräumpartner und ich nicht bewegen konnten; eine sich in der Nähe von uns befindliche Gruppe hatte die Situation schnell verstanden und so kamen alle mit Pappschachteln und alten Klamotten herbei. Sie halfen dabei, den Stacheldraht wegzuschaffen, sodass wir die Ecke säubern konnten. Es war ein so wunderbarer Anblick!
Noch unglaublicher waren die Reaktionen der Leute um uns herum, diejenigen, die am Tahrir lebten und arbeiteten, wie auch einfach nur Passanten! Alte Männer verteilten Kekse, um unsere Energie aufrecht zu erhalten, und kleine Kinder teilten Bonbons aus. Menschen, die während der Proteste verletzt wurden oder nicht in der Lage waren, aktiv zu säubern, verteilten Sandwiches, sodass diejenigen, die im Begriff waren zu reinigen, nicht Hunger leiden mussten und Leute, die kleinere Gruppen beim Sauber machen sahen, gingen und kauften Getränke, um die Emsigen zu erfrischen! Andere gaben selbstlos einfach Besen und Putzmaterialien weiter, um auszuhelfen! Dieses Gefühl der Unterstützung, der Kameradschaft lag in der Luft, wie ich es niemals zuvor erlebt habe! Als wir durch die Straßen liefen, nach weiteren Aufgaben, die es zu erledigen galt, Ausschau haltend, erlebten wir mehr und mehr Personen, die die Umgebung nicht einfach nur säuberten sondern auch Graffitis wegschrubbten und anschließend darüber malten. Einige Leute malten sogar die Bürgersteige an! Die Ägypter hatten endlich begonnen zu fühlen, dass dies ihr Land war und wollten sich aufrichtig darum kümmern!
Jeder war erstaunt! Ein CNN-Reporter sagte: "Zum ersten Mal sehen wir Menschen rebellieren und anschließend dann die Straßen saubermachend." Leute überall auf der Welt wurden durch das, dessen Zeuge sie werden durften, inspiriert. Der amerikanische Präsident Obama sagte, dass amerikanische Kinder dahingehend gebildet werden sollten, um wie die Jugend Ägyptens zu werden. Die Ägypter wurden weltweit für ihren friedlichen Aufstand und ihr Verantwortungsbewusstsein für einander und ihr Land bejubelt!
Die Gefühle, die mich überkamen, als ich mich an diesen Aktivitäten beteiligte, und auch in den Tagen seither, sind unbeschreibbar. Ägypter sorgen sich so sehr um einander und um ihr Land. Das Teamwork, das überall anzutreffen war, war unglaublich. Die Ägypter können wirklich stolz auf all das sein. Nach dem Rücktritt von Präsident Mubarak war überall ein Spruch zu vernehmen, der wörtlich übersetzt so lautet: "Erhebe dein Haupt, du bist Ägypter." Nach all dem, was ich hier erleben durfte, hat das ägyptische Volk jedes Recht dies zu sagen!
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