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Ägyptische Mythologie
Viele Bücher wurden über die Religion im alten Ägypten verfasst. Dieser kurze Überblick soll schlichtweg dazu dienen einige der Grundkonzepte zu erklären und einige der Götter vorzustellen. Religion im alten Ägypten war nicht anders als in moderneren Zeiten. Heute glaubt nicht jeder auf die sie selbe Art und Weise oder an den selben Gott. Ägypten war da nicht anders. Einzelne Könige verehrten ihre eigenen Götter, wie es auch die Arbeiter, Priester, Kaufleute und die Bauern taten. Das prädynastische Ägypten hatte die Ideen und den Glauben eines "größeren Seins" formuliert, das in Bildern zum Ausdruck gebracht wurde, einige Forscher aber behaupten, dass "Schreiben" erfunden wurde, um spirituelle Gedanken den Massen zu kommunizieren. Jetzt hatten die Bilder eine Funktion und übernahmen menschliche Eigenschaften. Die Götter lebten, starben, jagten, zogen in Schlachten hinaus, brachten Kinder zur Welt, aßen, tranken und hatten menschliche Gefühle. Die Gottesherrschaften überlappten sich und in machen Fällen verschmolzen sie gar miteinander. Sie hatten keine organisierte, hierarchische Ordnung ihrer Herrschaft. Die Dominanz der Götter hing von den Glaubensvorstellungen des herrschenden Königs ab. Ihr Dominanzbereich hing davon ab, wo der König seine Hauptstadt haben wollte. Ebenso verwandelten sich die Mythen mit dem Sitz der Götter, wie auch mit ihren Namen. Namen im alten Ägypten waren sehr mystisch und mächtig. Man glaubte, schreibe man den Namen des Gegners auf etwas und zerbreche diesen Gegenstand dann, so würde diesem Feind entweder Schaden zugefügt werden oder er sterbe möglicherweise. Wenn man einen Namen kannte, hatte man Macht. In der gleichen Hinsicht konnte es vorteilhaft sein einen Namen zu benutzen. Jeder Gott hatte fünf Namen und jeder wurde mit einem Element, wie zum Beispiel Luft, und mit Himmelskörpern assoziiert. Auch waren diese eine Beschreibung des Gottes, wie stark, männlich oder majestätisch dieser war.
Der Schöpfer aller Dinge war entweder Re, Amun, Ptah, Khnum oder Aten, je nachdem welche Version der Sage gerade verbreitet war. Die Himmel wurden von Hathor, Bat und Horus verkörpert. Osiris war, wie auch Ptah, ein Gott der Erde.Die jährliche Überflutung des Nils ging von Hapi aus. Stürme, das Böse und Verwirrung waren Seths Werk. Sein Pendant war Ma'at, der für Ausgeglichenheit, Gerechtigkeit und Wahrheit stand. Thoth und Khonsu waren der Mond. Re, der Sonnengott, nahm viele Gestalten an und überschritt die meisten Grenzen, in denen sich die anderen Götter bewegten. Die eigentliche Form der Sonne, die Scheibe (or, aten), wurde einem anderen Gott zugeschrieben, Aten.
Wie zuvor erwähnt, wurden bestimmte Götter in verschiedenen Gebieten verehrt. Lokale Städte oder Dörfer, als Gaus bezeichnet, hatten oftmals einzigartige Götter, die nur in dieser Region bekannt waren. Gelegentlich erhielten diese Götter landesweite Beachtung und wurden zu den Mythen und Legenden, die von Jahrhundert zu Jahrhundert überliefert wurden. Unten sind die Hauptgötter und ihre wichtigsten Kultorte aufgelistet.
Amaunet - Das weibliche Pendant zu Amon und eine der Urgötter der hermopolitanischen Ogdoad (Gruppe von acht Göttern). Auch in Theben wurde sie verehrt, zusammen mit Amon und Mut.
Amon - Für gewöhnlich mit dem Wind oder versteckten Dingen assoziiert und gehörte ebenso zu der hermopolitanischen Ogdoad. In Theben wurde er zu Amon-Re, König der Götter. Er war Teil der thebanischen Triade, zusammen mit Mut und Khonsu.
Antaios - Ursprünglich war er ein Doppelgott, "die zwei Falken", der später zu einem vereinigt wurde, wahrscheinlich zum Horus.
Anuket - Verehrt auf der Elephantine, wurde sie mit der Gazelle assoziiert.
Apis - Als Bulle mit einer Sonnenscheibe zwischen seinen Hörnern betrachtet, wurde Apis mit Osiris und Ptah assoziiert - Auch als Aten bekannt, wurde er bei Tell 'Amarna angebetet.
Atum - Ein Urgott, der in der Gestalt eines Menschen und einer Schlange dargestellt wurde. Er war der oberste Gott in der heliopolitanischen Enneade (Gruppe von neun Göttern) und mit Re zusammen zum Re-Atum geschaffen. Hathor - Die Göttin der Liebe, des Tanzes und des Alkohols wurde als Kuh dargestellt. In Theben war sie auch die Göttin des Todes. In Dendera wurde sie als Gefährtin von Horus und Edfu verehrt und in Byblos mit Isis assoziiert.
Horus - Die erste königliche Gott hatte die Gestalt eines Falken, dessen Augen die Sonne und der Mond waren. Der Himmelsgott war der Herrscher über den Tag. Die vielen Gestalten des Horus sind: Re-Harakhti, Harsiesis, Haroeris, Harendotes, Khenti-irti, Khentekhtay (der Krokodilgott) und Harmakhis, der Horus an den Horizonten ist, in denen die Sphinx von Gizeh, so sagt man, von ihm betrachtet wird.
Isis - Die Mutter von Horus und Schwester und Gefährtin des Osiris wurde in Philae angebetet. Assoziiert mit Astarte, Hathor, Nut und Sothis, wurde sie später im gesamten Römischen Reich verehrt.
Khnum - Einem Menschen mit einem Widderkopf ähnelnd, wurde er in Hypselis, Esna, Antinoe und Elephantine verehrt.
Khonsu - Der Mondgott war der Sohn von Amon und Mut. Der Haupttempel in Karnak ist ihm gewidmet.
Min - Gott der Fruchtbarkeit vereinigt mit Amon und Horus. Min wurde hauptsächlich in Koptos und Akhmim.
Mut - In Theben angebetet, war sie eine Gemahlin des Amon und Teil der thebanischen Triade (Gruppe von drei Göttern).
Nut - Mutter der Sonne, des Mondes und der Himmelskörper.
Osiris - Er wird als der tote König betrachtet, der über die Unterwelt wacht und in seinem Sohn Horus verjüngt ist. Als ein Symbol des ewigen Lebens wurde er in Abydos und Philae verehrt.
Ptah - In Memphis verehrt, ist er mit Sokaris und Osiris verschmolzen.
Re - Er war der Sonnengott Heliopolis. Von der fünften Dynastie an stieg er zu einem nationalen Gott auf und ist eng mit der obersten Gottheit Amon verbunden.
Serapis - Er wurde hauptäschlich in Alexandria und später dann bei den Griechen als Zeus verehrt. Von den Ägyptern in der Ptolemäerdynastie wurde er nie völlig akzeptiert.
Sekhmet - Sie war Teil der memphitischen Triade zusammen mit Ptah und Nefertem. Sie war die Herrin über Krieg und Krankheit.
Seth - Der Sohn von Geb und Nut in der heliopolitanischen Enneade hatte die Gestalt eines Tieres, das kein zoologisches Äquivalent besitzt. Dieser mächtige Gott wurde als Gott der Wüste betrachtet, was ihn zu einem Gott fremder Länder machte.
Shu - Er war eine alte, kosmische Kraft und wurde als der Gott der Luft und Träger des Himmels angesehen.
Sobek - Er war ein Krokodilgott und wurde in der Faiyum und Ombos verehrt. Während des Mittleren Königreiches verschmolz er mit Re, zu Sobek-Re, undwurde als Ur- und Schöpfergott angebetet.
Thoth - Er wurde in Hermopolis als ein Pavian verehrt. Er war der Gott heiliger Schriften und der Weisheit.
Die Könige des alten Ägyptens waren ein wesentlicher Bestandteil der Religion. Sie bildeten eine Brücke über die Kluft, die das Volk und die Götter trennte. In prädynastischen Zeiten wurden die Könige für Götter gehalten. In späteren Zeiten, etwa in der dritten Dynastie, wurden die Könige zu Göttern "transformiert". Dies war ein entscheidender Teil der Beherrschung des Volkes. Die Thronerben wurden nicht der offentlichen Wahrnehmung vorenthalten. Im Kindesalter waren sie vielen bekannt, als Kinder, und nicht als zukünftige Götter. Ein König hatte unter Umständen viele Erben gehabt und konnte sich vielleicht erst zu einem späteren Zeitpunkt sicher sein, wer den Thron übernehmen würde. Damit das Volk (und der zukünftige König) die Transformation akzeptiert, mussten bestimmte Prozeduren ausgearbeitet werden. Dieses Dilemma wurde durch das Ritual, das den König mit dem Gott verschmelzen ließ, herrlich gelöst. Man glaubte, dass alle zukünftigen Könige zwei Erscheinungsbilder ihres Seins hatten: ihr physisches Sein und ihr "Ka". Das Ka war seine spirituelle Entsprechung, das ihm bereits in die Wiege gelegt war und ihm seines ganzes Leben lang erhalten blieb. Bevor ein König also den Thron besteigen konnte, wurde ein Ritual durchgeführt, das des Königs Ka und seine Person vereinigte. Der König und seine Priester würden einen Tempel betreten, das Ritual durchführen und als Gott heraustreten. Alle Leute würden draußen warten, um das Wunder der Transformation zu bezeugen, sobald der König wieder aus dem Tempel auftaucht. Auf diese Art und Weise wurde der neue König als ein Gott und sein Wortals Gesetz akzeptiert.
Religiöse Angelegenheiten betreffend, standen die Priester direkt und dem König. Ihre Aufgabe war es auf die Bilder der Götter aufzupassen. Sie bereiteten auch die Statuen oder Bilder für die religiösen Feierlichkeiten vor. Es war die Role des Priesters die Schriftrollen vor religiösen Ereignissen zu lesen. In späteren Dynastien waren die Priester die Stimmen des Orakels. Spezielle Abteilungen, Priesterlöcher genannt, wurden strategisch im Tempel positioniert. Die Priester waren von diesen Löchern aus in der Lage zu sprechen ohne von der Person, die Fragen stellten und Gefallen der Götter erbaten, gesehen zu werden. Orakel wurden als Inbegriff der Eintscheidung der Götter angesehen. Die Priester waren für des Tempels Reichtümer und seinen Gtreidespeicher verantwortlich. Sie arbeiteten in wechselnden Schichten und das vielleicht eine Woche im Monat offiziell. Deren Laboratorien befanden sich in den Tempeln, wo sie Weihrauch und Heiltränke zubereiteten. Woran wir bei Hexenmeistern denken stammt von den Priestern. Geheimnisumwoben wurden sie selten von den gewöhnlichen Menschen gesehen, außer wenn sie magische Texte lasen oder religiöse Rituale vollzogen. Innerhalb der Tempelheiligtümer wurden sie nur vom König gesehen. Während der 21. Dynastie wurde Grabräuberei systematisch von den Priestern selbst durchgeführt. Schon immer in der Geschichte ist Grabräuberei ein Problem gewesen, das aber meist von gewöhnlichen Dieben verbrochen worden ist. Die Priester behaupteten dies, als sie die Körper wegschafften und alle kostbaren Metalle, die die Leichen trugen, von denen abstreiften, dabei aber auch de fakto die Schändung der Körper durch gemeine Diebe verhindernd. Natürlich entpackten die Priester die Körper und trugen sie in andere Gräber, um die Leichname zu schützen. Manches des gestohlenen Goldes und Silbers wanderte in die Schatzkammer des Tempels, aber ein großer Teil davon wurde in den Kauf von Holz und Eisen investiert, Resourcen, die nicht nativ in Ägypten vorhanden waren und viel kosteten. Drittens wanderten einige der Reichtümer in das Grab des zu diesem Zeitpunkt herrschenden Königs, wodurch die Räubereien durch den Thron geheiligt wurden.
Die alten Ägypter waren sehr fromm in ihrem Glauben. Sie waren ihren Göttern eng verbunden und verehrten diese täglich auf verschiedene Weisen. Ihre Art zu Leben drehte sich um diese Glaubensvorstellungen. Sie hatten einen starken Sinn für Gerechtigkeit und bemühten sich das Richtige zu tun. Wie auch unsere Gesellschaft heutzutage, verabscheute das gemeine Volk Ehebruch, Diebstahl, Mord und Lügen. Sie waren eine kultivierte Gesellschaft mit Werten und Moralvorstellungen, die unseren garnicht so unähnlich waren. Magie war für sie gang und gäbe, wie es sich durch das Tragen von Amuletten, um das Böse abzuwehren, zeigt. Magische Texte wurden in Gräber geschrieben, um diese vor Möchtegern-Räuber zu beschützen. Viele Zauber gegen Schlangenbisse wurden entdeckt. Magische Zauber, Rituale und Erfindungen wurden angewandt, um die Kranken oder Verletzten zu behandeln. Falls die Zauberkraft einmal nicht funktioniert hat, wurde es als Gotteswille angesehen und nicht als Versagen der Magie. Der Menschen seelenruhiges Akzeptieren des Seltsamen und des Ungewöhnlichen erlaubte ihnen sich einerseits mit Naturphänomenen und andererseits mit den unsichtbaren Dingen des Lebens abzufinden. Jedes Vorkommnis hatte eine spirituelle Bedeutung und war einem einzigen Gott zuzuordnen.
In der 1. Dynastie (2950 - 3110 v. Chr.) vereinte Menes, der König, der von vielen für Ay oder Narmer gehalten wird, Ober- und Unterägypten. Er erbaute seine Hauptstadt in Memphis und widmete dem Gott Ptah einen Tempel. Was bis dato damals an Glaubensvorstellungen existierte wurde generalüberholt, um diese Ereignisse zu erklären, und fast alle anderen Göttermythen entstammen diesem Vorkommnis. Für einen bestimmten Zeitraum wurden all die gegenwärtigen, lokalen Götter in ein Schema integriert, bei dem eine Art hyrarchische Ordnung der Götter entworfen wurde. Alle Götter tauchten entweder in der einen oder in der anderen Geschichte auf, sodass keiner beleidigt wurde. Diese Komposition der Götter glich dem Aufbau eines Gebäudes und die Quintessenz dessen ist, dass damit die Grundlage für die in der Geschichte am längsten existierende Zivilisation geschaffen wurde.
AMEN MUT
Um den Schöpfungsmythos verstehen zu können muss man sich zuerst einmal vor Augen führen, dass es eine komplizierte Geschichte ist. Vier "Kosmologien", oder anders ausgedrückt Schöpfungstheorien, spielen dabei eine Rolle und jede von ihnen hat sich über verschiedene Perioden in Ägypten entwickelt. Nichtsdestotrotz haben die Theorien einige gemeinsame Elemente. So besagt jede Theorie zum Beispiel, dass am am Anfang nur ein primordialer, stiller Ozean namens Nu existierte. Außerdem teilen alle diese Theorien die Vorstellung, dass aus Nu der Urhügel heraus erwuchs. Jede Kosmologie war des Glaubens, sein Hügel stünde auf diesem Hügel. Die ersten Stufenpyramiden sind zweifelsohnesymbolisch mit diesem Hügel verbunden. Alle Kosmologien teilen den Glauben, dass Schöpfung ein langsamer Prozess war und nicht katastrophenartig. Schließlich stimmen sie alle darin überein, dass es eine "Erste Zeit" oder einen Zeitabschnitt gab, in dem die Götter sogar auf der Erde lebten.
Mit dieser Gründung entwickelt die heliopolitanische Kosmogonie den Mythos weiter. Die Schöpfung Atums, dem Gott Heliopolis, war das erste Ereignis. Man streitet darüber, ob er sich selbst schuf oder der Sohn von Nu war. Einige Texte besagen, er sei zuerst auf dem Hügel erschienen, andere besagen, er sei leibhaftig der Hügel gewesen. Atum wurde eventuell mit Ra, dem Sonnengott, assoziiert. Ra-Atum wird an dieser Stelle als die Ankunft des Lichtes angesehen, das kam, um die Dunkelheit von Nu zu zerstreuen. Ra-Atum wird in diesem Kontext durch den Phönix verkörpert. Seine nächste Aufgabe war es andere Götter zu schaffen. Dies tat er durch Masturbation; er hatte keine Partnerin. Dies war kein Angriff auf die alten Ägypter, ganz im Gegenteil: Seine Macht intensivierte sich in ihren Augen dadurch nur noch mehr.
Ra-Atum gebar Zwillinge. Shu, sein Sohn und Gott der Luft, wurde ausgespuckt und seine Tochter, Tefnut, Göttin der Weltordnung, wurde von ihm erbrochen. Die Zwillinge wurden von Nu großgezogen und standen unter der Aufsicht von Ra-Atums Auge. Die Geschichte über Ra-Atums Auge wird später erzählt werden. Shu und Tefnut gebaren Geb, den Gott der Erde, und seine Frau und Schwester, Nut, die Göttin des Himmels. Geb und Nut wiederum waren die Eltern von Isis, Osiris, Nephthys und Set. Diese vier Götter, besonders Osiris, spielen in späteren Mythen eine Hauptrolle. Horus, ein weiterer Gott, war der Sohn von Isis und Osiris. Diese fünf jüngeren Götter und Göttinnen sind vielleicht von den Priestern von Heliopolis integriert worden. Was auch immer der Fall sein mag, diese "Enneade" oder Gruppierung von Göttern war zu dieser Zeit ein wesentlicher Teil der Tradition.
Ab hier wird die Ordnung der Dominanz oder Präzedenz widersprüchlich. Manch ein Text weist Horus eine hohe Rangstellung zu, andere übertragen Nut diese Berechtigung. Wiederum andere proklamieren, Atum habe Geb der Enneade übergeordnet, was ihn mit beinhaltete. Die Priester glaubten zu dieser Zeit, dass sie selbst Geb und Nut repräsentierten, nicht Atum. Letzten Endes ist es Ra, der Sonnengott, der als der Oberste angesehen wird. Jedoch übernimmt Osiris diese Rolle später. All dies wird später diskutiert werden.
Später, 3100 v. Chr., waren Ober- und Unterägypten vereint und die Hauptstadt wurde Memphis. Damit begann eine neue Schöpfungstheorie. Ptah, der hohe Gott von Memphis, galt als Schöpfer. Irgendwann wurde Ptah dazu erklärt Nu zu sein (somit über Atum gestellt, hoher Gott von Heliopolis). Die Enneade von Heliopolis galt lediglich als eine Erscheinungsform des Ptah. Diese Verdrängung der heliopolitanischen Kosmogonie war notwendig, umdie memphitische Überlegenheit zu begründen und aufrecht zu erhalten.
Es existierte noch eine weitere Kosmogonie, die sich von der helipolitanischen und der memphitischen vollkommen unterschied. Diese war in einer Stadt namens Hermopolis in Oberägypten. Die Rede ist davon, dass diese Theorie vor allen anderen bereits bestand. Anstelle einer Enneade hatten die Hermopolitaner eine Gruppe von acht Göttern, die die Ogdoade genannt wurde. Diese Gruppe bestand aus Nun und Naunet, Huh und Hauhet, Kuk und Kauket sowie Amon und Amaunet. Dieser Theorie zufolge waren diese acht Götter für die Schaffung der Welt verantwortlich. Nachdem dies getan war, herrschten die acht während einer Phase, die das Goldene Zeitalter genannt wird, über die Welt. Als sie starben, wanderten sie in die Unterwelt, von der aus sie immer noch genug Kraft hatten, um das Fließen des Nils und das Aufgehen der Sonne bewirken zu können. Nun und Naunet symbolisieren Wasser, Huh und Hauhet repräsentieren Unendlichkeit, Kuk und Kauket bedeuten Dunkelheit und Amon und Amunnet symbolisieren die Luft.
Schließlich erwuchs von 1546 bis 1085 v. Chr. in Theben eine neue Kosmogonie. Zu dieser Zeit waren alle anderen Theorien weitestgehend akzeptiert; daher war es unerlässlich, das die Thebener die Hauptmerkmale dieser Theorien in ihrer eigenen mit berücksichtigen. Der Hauptgott Thebens war Amon, der bereits mit der Luft in Verbindung gebracht wurde. Dies machte es einfach, Amon die Macht des "allwaltenden und unsichtbaren Schöpfers" (Ames, 1965) zuzuweisen. Er soll sich selbst geschaffen haben, ohne einen Vater oder eine Mutter zu haben, und wurde heimlich geboren. Die Thebener erhoben den Anspruch darauf, dass ihre Stadt die erste Stadt war und dass alle anderen Städte nach ihr entworfen wurden. Alle Kosmogonien beanspruchten dies für sich. Die Thebener behaupteten, dass Theben das Auge des Ra, Sohn des Amon, sei. Darüber hinaus gehend, was in der Vergangenheit getan worden ist, behaupteten die Thebener, dass die gesamte Kosmogonie lediglich Aspekte des Amon seien; bloß Formen von ihm.
An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass jede Übersetzung eines Text des alten Ägyptens seine eigene Perspektive dessen wiedergibt, was gesagt wird. In jedem Bericht gibt es viele Widersprüche. Deshalb ist es eine sehr komplizierte und schwierige Aufgabe den Schöpfungsmythos oder übrigens auch nur irgendeinen anderen Mythos zusammenzufassen.Die Namen der Götter unterscheiden sich von Quelle zu Quelle; dies gilt auch für die Sschreibweisen. Diese Seite versucht eine kurze Darstellung beziehungsweise Basiswissen der ägyptischen Mythologie zu vermitteln. Zu diesem Zweck fahren wir mit ein paar Mythen fort, die mit dem Schöpfungsmythos verbunden sind.
Das Auge von Ra-Atum, wie zuvor erwähnt, ist das mythologische Symbol für die Sonne. Einst wurden Shu und Tefnut, Zwillingskinder des Ra-Atum, von ihm getrennt. Er entsandte sein Auge, um sie zu finden. Während das Auge dabei war zu suchen, ersetzte Ra-Atum das Auge mit einem anderen. Als das Auge mit Shu und Tefnut zurückkehrte, weinte Ra-Atum vor Freude und die Tränen schufen die Menschheit. Freilich war das Auge erzürnt darüber, ersetzt worden zu sein. Ra-Atum plazierte das Auge auf seiner Stirn, sodass das Auge die Welt verherrschen kann; dadurch wurde es mit der Sonne assoziiert. Das zweite Auge wird mit dem Mond in Verbindung gebracht. Ein weiteres mythologisches, mit dem Schöpfungsmythos assoziiertes Symbol ist der Phönix. Der Phönix sei alle fünfhundert Jahre einmal von Arabien nach Heliopolis gereist. Der Phönix, der auch als Benu Vogel bekannt ist, habe die Zeitzyklen bestimmt, und der Tempel des Phönix wurde zum "Zentrum der kalendarischen Ordnung" (Clark, 1960). Während des Mittleren Königreichs wurde er zur Seele des Osiris und zu dieser Zeit geschah es auch, dass er mit dem Planeten Venus assoziiert worden ist, dem Morgenstern, der die Sonne geleitet haben soll. Alle der Darstellungen oberhalb warenallerdings Assoziationen von geringerer Bedeutung. Die Hauptrole des Phönix war es sich selbst geschaffen zu haben und hierdurch Ra-Atum zu symbolisieren.
Alle Schöpfungskosmogonien haben den Tempel gemeinsam. Jede Theorie sieht seinen Tempel auf Hügel, der aus Nu erwuchs. Mythen, die die Form, den Ursprung und die Bedeutung betreffen, sind größtenteils memphitischen Ursprungs; Mythen über die täglichen Tempelrituale sind primär heliopolitanischverwandt. Solch ein Tempel, und möglicherweise sogar der am frühesten in Mythen beschriebene, war der des Falken, assoziiert mit dem Gott Horus, der der Gott der Jäger war, vielleicht ein Kriegsgott und später ein Himmelsgott. Damit war der Falke ein Symbol der Erhabenheit und Stärke und das Leitbild für die Pharaonen. Einem Mythos zufolge war die Errichtung dieses Tempels ein natürliches Geschehnis und bedeutete das finale Ereignis im Schöpfungsprozess. Es war zunächst des Falkens Hochsitz und dieser Teil blieb der heiligste Ort im Tempel. Das Detail, in dem der Tempel beschrieben wird, veranschaulicht den hohen Entwicklungsgrad, der schon vor historischen Zeiten erreicht wurde. Viele Tempel wie dieser wurden aller Voraussicht nach im prädynastischen Ägypten erbaut.
Der Tempel des Sonnengotts war der zweite Typ eines erbauten Tempels. Dies begann als eine Rechteckstruktur oder als Altarraum. Andere Kammern wurden hinzugefügt und eine Mauer umgab das Bauwerk. Die Recherche ergibt, dass es noch einen weiteren Tempeltyp des Sonnengotts gab, der nur aus einem Kultraum bestand. Dieser Tempel bedeutet den Beginn der Geschichte des eigentlichen Tempels in dieser Form, wie er in Ägypten erbaut ist
Der Mythos besagt, dass die oben aufgeführten Tempel von einem Urtempel abstammen, der gebaut wurde, um den Nachfolger des Schöpfers zu beschirmen. Dieser Tempel soll auf dem aus dem Nu erwachsenden Hügel gestanden haben, wie es mit jedem anderen Tempel der verschiedenen beschriebenen Kosmogonien gewesen sein soll. Allerdings hatte dieser Tempel die Funktion des dort drin Lebens, der Körper des Gottes des Tempels, der seinephysikalische Form nahm und benutzte.
Siehe auch: Vorgestellter ägyptischer Mythologiegott: Gott des Nils ( Hapi )
Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2011 |